Blog: Frank Heijckmann

01-10-2021

Was können wir den kommenden Quartalen erwarten? 

 

Es ist an der Zeit, Ihnen noch einmal die Überlegungen offen zu legen, welche wir im Hause PVO derzeit anstellen. Es sind unsichere und ungewisse Zeiten, niemand weiß genau, was passieren wird in den nächsten Wochen und Monaten. Dennoch lohnt es sich, die wichtigsten Indikatoren aufzulisten: 

  1. Die Preise für Silizium und andere Halbfertigprodukte sind in den letzten Wochen wieder gestiegen. Eine Zeit lang schienen sichdie Preise für Rohstoffe in die richtige Richtung zu bewegen, aber jetzt scheint diese wieder strukturell zu steigen. Der Preis ist diese Woche auf 212 RMB pro kg gestiegen. Damit ist er nur noch 5 RMB von dem Höchstpreis entfernt, der im Juni diesen Jahres erreicht wurde.
     
  2. China hat angekündigt, im nächsten Jahr 100 GWp(!) zu realisieren, hauptsächlich durch die Förderung von Aufdachprojekten. Bei einer Gesamtproduktionskapazität von etwa 200 GWp bleiben für den Rest der Welt nur etwa 100 GWp übrig. Wenn es stimmt, was China sagt, wird die Nachfrage weiterhin die Produktion übersteigen. Es ist anzumerken, dass frühere Prognosen aus China oft nicht eingetroffen sind. Aber, selbst wenn China hinterherhinken sollte, rechne ich nicht mit einem Produktionsüberschuss. Viele Projekte wurden auf das nächste Jahr verschoben, und in mehreren Ländern, darunter auch in Europa, steigt die Nachfrage weiter stark  
     
  3. Die größte Unsicherheit liegt meiner Meinung nach in der Entwicklung der Transportkosten. Ich höre und lese dazu unterschiedliche Meinungen. Der rote Faden ist, dass es Unsicherheiten gibt und dass die Kosten kurzfristig nicht sinken werden. 
    Das ist im Moment so relevant, weil die Transportkosten etwa 0,035 € pro Wp betragen und eine Halbierung dieser Kosten einen großen Einfluss auf den Preis eines Modules haben würde.
    Ich erwarte, dass es im ersten Quartal zu einem leichten Rückgang der Transportkosten und im zweiten Quartal zu einer Stabilisierung kommen könnte. Danach könnten sich die Transportkosten vielleicht normalisieren, aber das ist alles andere als sicher.
    Der Druck, den die chinesische und die amerikanische Regierung auf die Schiffseigner ausüben, scheint vorerst wenig Wirkung zu zeigen. Sie halten die extrem hohen Kosten für unerwünscht und für eine Bedrohung des künftigen Wirtschaftswachstums. Es bleibt die Frage, ob und wann diese Maßnahmen erste Resultate zeigen werden.
     
  4. Jüngste Meldungen besagen, dass China angekündigt hat, Solarmodulfabrikenwegen des Energieverbrauchs und der Überschreitung der CO2-Emissionsgrenzwerte für mehrere Wochen abzuschalten. In China hat der hohe Preis für Kohle und Gas sogar zu Stromausfällen geführt. Darüber wird nur sporadisch berichtet, aber ich höre von Herstellern, dass dies negative Auswirkungen auf die Produktion aller großen Hersteller haben wird. Zweifellos wird es in der nächsten Zeit weitere Nachrichten darüber geben.*
     
    *vereinzelt gibt es bereits schriftliche Nachrichten der Hersteller, dass dies zutrifft und diese Force Majeure anmelden aufgrund dieser Thematik.
     

Als Fazit kann ich sagen, dass ich in den kommenden Quartalen nicht mit einem ernsthaften Preisverfall rechne. Die Knappheit wird anhalten, und der Preis wird zumindest bis zum Ende des Jahres hoch bleiben. Es könnte nicht unklug sein, bereits jetzt eine Position für die Lieferung im ersten Quartal zu beziehen, da der Preis für das erste Quartal etwas niedriger ist als derzeit und die Indikatoren eher auf einen Anstieg als auf einen Rückgang hindeuten. Irgendwann wird der Preis wieder fallen, aber ich rechne nicht damit, dass er im Jahr 2022 auf das Niveau vom Juli 2020 zurückfällt. 

 

Frank Heijckmann

Commercial Director PVO International