Blog: Frank Heijckmann

06-05-2021

Die Preise steigen weiter, eine Stabilisierung liegt noch in weiter Ferne 

 

Das erste Quartal 2021 ist vorbei und es hat sich gezeigt, dass unsere Prognosen eingetreten sind. Die Preise für PV-Module steigen weiter linear an. Zu Beginn des Jahres wurde die Schwelle von 0,20 €/Wp und später von 0,21 €/Wp überschritten. Die Preise steigen weiter an, aber wie lange wird  das noch so bleiben? 

Um das zu verstehen, müssen wir ein wenig tiefer in die Materie eintauchen. Im Moment wird der Preis vor allem durch den Preis für Poly-Silizium und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage  nach oben getrieben.

Hier eine Grafik zur Preisentwicklung von Poly-Silicium in diesem Jahr.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, werden Wafer und damit auch Zellen aus Poly-Silicium hergestellt. Auch die Preise für andere semi-manufactured Produkte steigen weiter an, z.B. Kupfer, Silber oder EVA. Die Zellen machen jedoch den weitaus größten Teil des Gesamtkostenpreises aus. Letzte Woche  stieg der Preis für Poly-Silicium weiter auf 170 RMB/kg (ca. 22,40€/kg). Der gesamte Markt fragt sich  nun, wie lange das noch so weitergehen kann oder wird.

Daqo New Energy, ein großer Hersteller von Poly-Silicium, erwartet, dass der Preis sich um 170 RMB/kg (ca. 22,40€/kg) einpendeln wird, TongWei rechnet jedoch mit einem neuen Stand um  200 RMB/kg (ca. 25,60€/kg). Die chinesischen Modulhersteller üben reichlich Druck auf die Lieferanten von Poly-Silicium aus, was sich aber noch nicht bemerkbar macht. Wir gehen davon aus,  dass die Nachfrage nach Poly-Silicium das Angebot deutlich übersteigt.

Zu Beginn dieses Jahres wurden folgende Zahlen erwartet: Eine Gesamtproduktionskapazität von ca.  180GWp, bei einer globalen Nachfrage an PV-Modulen von ca. 190GWp, bei einer vergleichbaren Verfügbarkeit von Poly-Silicium in 2021. Nach dem enormen Preisanstieg zuerst für Glas und jetzt für  Poly-Silicium können wir keine andere Schlussfolgerung ziehen, als dass die Kapazitäten der Modulhersteller schneller gewachsen sind, als die Supply-Chain mithalten konnte. Solange die globale Nachfrage nach PV-Modulen hoch bleibt, wird sich dies auch nicht so schnell ändern. Natürlich werden die Produktionskapazitäten kontinuierlich erweitert, jedoch kann diese mit der Nachfrage nicht Schritt halten.

Von verschiedenen Seiten hören wir aus China, dass sich die chinesische Regierung in diese Thematik  einmischt. Schließlich könnten hohe Preise für PV-Module die Klimaziele der Regierung untergraben.  Die Erfahrung zeigt uns, dass behördliche Eingriffe immer eine Wirkung haben. Die Frage ist jedoch, wie schnell wir in Europa etwas davon bemerken werden. Manche sagen, dass Projekte aufgrund der  höheren Preise verschoben werden und dass in der Folge die Nachfrage und damit die Preise sinken  werden. Allerdings sind viele Hersteller bereits bis einschließlich Q3 ausverkauft, weil viele ihrer Kunden ihre Aufträge platziert haben. Wir beobachten keinen Rückgang der Nachfrage und wir nehmen wenige Signale im Markt auf, die darauf hindeuten. Andere sagen, dass die Preise fallen müssen weil das jedes Jahr passiert. Immerhin folgen die Preise einem festen Muster aus Fallen und  Steigen…

Wir haben gehört, dass es Hersteller gibt, die ihre Produktionslinien stilllegen, weil sie bei den hohen  Preisen für Wafer und Zellen keine wettbewerbsfähigen Preise für ihre PV-Module verlangen können.  Nichts zu produzieren ist billiger als mit Verlust zu produzieren. Wenn dies bereits der Fall ist, dann würde das bedeuten, dass die Preise weiter steigen werden.

Bemerkenswert ist im Moment auch, dass der Preis der Zellen weniger schnell steigt als der Preis von  Silicium. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass unabhängige Zellhersteller versuchen, die  „Big 5“ (Longi, Jinko, Trina, JA und Canadian) daran zu hindern, ihre eigene Zellproduktion weiter auszubauen. Diese „Big 5“ werden noch größer und mächtiger und ich erwarte, dass der Rest größtenteils verschwindet oder geschluckt wird. Daher hängt die Zukunft dieser Zellhersteller also in  erheblichem Maße von der Bereitschaft der Big 5 ab, Zellen von ihnen zu kaufen. Indem man den Preis relativ niedrig hält (sprich: ihn weniger schnell steigen lässt, als den Preis für Poly-Silicium) hoffen sie, ihren zukünftigen Absatz zu sichern.

Es ist interessant zu sehen, inwieweit sich die Big 5 vertikal integriert haben und inwieweit sie von den steigenden Preisen für Poly-Silicium betroffen sind. Dazu habe ich die folgende Übersicht erstellt:

Es versteht sich von selbst, dass dies eine Momentaufnahme ist. Alle Hersteller skalieren hoch, daher  ändert sich der Status Quo ständig. Eine Reihe von schnellen Schlussfolgerungen können dennoch gezogen werden:

  • Sie alle leiden unter den höheren Preisen für Poly-Silicium aufgrund der Tatsache, dass es von Dritten eingekauft wird
  • Da Longi seinen Ursprung in der Produktion von Wafern hat, haben sie die höchste Produktion von Wafern. Der Rest richtete die entsprechende Produktion mehr oder weniger auf ihre eigene Produktion von Zellen
  • Sie alle müssen Zellen von Dritten kaufen, um ihre Produktionskapazität von Modulen vollständig zu nutzen

Signale, welche wir aus verschiedenen Bereichen in China erhalten, dass alle Hersteller aufgrund des starken Preisanstiegs der Halbleiterhersteller finanziell leiden, ist verständlich. Sie produzieren (noch)  kein eigenes Poly-Silizium. Große Akteure in der ganzen Welt, wie wir es sind, die rechtzeitig erkannt  haben, dass die Preise weiter steigen könnten und dementsprechend rechtzeitig durch große Käufe antizipierten, übten erheblichen Druck auf die Margen bei den Herstellern aus. In den kommenden Quartalen werden die großen Hersteller alles daran setzen, ihre Zahlen für 2021 zu „retten“; Ein weiterer Grund also, derzeit keinen Preisverfall zu erwarten.

Es wird also noch einige Zeit dauern. Ich erwarte, dass die Preise weiter steigen werden. Deshalb ist  es nicht an der Zeit mit Käufen für Projekte, die Sie noch in diesem Jahr realisieren wollen, zu lange zu warten. Es kann durchaus sein, dass sich der Preis irgendwann in diesem Jahr stabilisiert, aber das  ist alles andere als sicher. Die Chance einer schlechten Verfügbarkeit am Ende von Q3 und Q4 dieses  Jahres ist größer als die Chance auf einen Preisverfall. Andererseits ist nichts sicher und jeder sollte  seine eigenen Überlegungen machen und Entscheidungen treffen. Ich hoffe jedoch, dass ich Ihnen trotz dieser unsicheren Zeiten ein wenig mehr Einblick verschaffen konnte.

 

Frank Heijckmann

Commercial Director PVO International