Blog: Aryan Uthman

16-06-2021

Preise und Verfügbarkeit: Was ist diesen Sommer zu erwarten?

 

Nun, da der immer weiter steigende Preis für Silizium sich zu stabilisieren scheint, können wir erwarten, dass der Preis für Module fällt und die Verfügbarkeit sich verbessert; Richtig? Nein. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Doch woran liegt das?

Durch den sehr schnellen Preisanstieg für Silizium sowie für PV-Module sind viele Hersteller von geringeren Absatzzahlen ausgegangen und haben Produktionslinien stillgelegt. Was die Hersteller sicherlich dabei im Sinn hatten, ist, dass wenn die Nachfrage nach Silizium sinkt, auch der Preis sinken wird. Im Anschluss würde der Preis für Zellen fallen und schließlich der Preis für Module. Damit wäre der Zyklus durchbrochen und die Produktion könnte wieder voll ausgelastet werden.

Ich denke, das war der Gedanke, beim Reduzieren der Produktionsmengen. Jedoch gibt es etwas, das diese letzten beiden Schritte verhindert. Erstens hat die Pandemie große logistische Probleme verursacht. Zweitens steigt die weltweite Nachfrage nach Waren aus China weiter stark an. Meine Erwartung ist, dass die Frachtraten neue Höchststände erreichen und langfristig über dem Niveau vor der Pandemie bleiben. Der Wettbewerb um Seefrachtkapazitäten hat sich verschärft, da sich die Wirtschaftsräume weiter öffnen und  viele Unternehmen versuchen, ihre Lagerbestände aufzustocken.

Was genau merken wir davon?

  • Wir erleben immer häufiger, dass Hersteller Waren verschiffen wollen, aber keine Container verfügbar sind, und/oder kein Platz auf einem Schiff vorhanden ist. Dieses Problem wird von Woche zu Woche schlimmer und ist noch nicht behoben.
  • Aufgrund eines neuen COVID-Ausbruchs in der Provinz Guangdong ist die Stadt Shenzhen abgeriegelt. Ein großer Teil der Wechselrichter, die in Europa eingesetzt werden, wird dort hergestellt. Da die Fabriken nicht mit voller Kapazität produzieren können und der Hafen gesperrt ist, rechne ich durchaus mit einer Verknappung von Wechselrichtern.
  • Wir sehen massive Kapazitätsprobleme in Rotterdam. Das bedeutet, dass das Entladen, die Verarbeitung und der Transport länger dauern, als wir es bisher gewohnt waren.

Da die Nachfrage in Europa hoch bleibt, sehen wir weitere Preissteigerungen für PV-Module. Gründe hierfür sind logistische Probleme, höhere Kosten für Rohstoffe und Auswirkungen sinkender Produktionsmengen. Wir werden sehr bald Preise von € 0,26/Wp sehen, ebenso halten wir Preise im Bereich von €0,28/Wp in naher Zukunft für realistisch.

Wir verstehen die Schwierigkeit, Preiserhöhungen in dieser Größenordnung zu akzeptieren sowie Kunden, Investoren etc. diese zu Erklären. Ihre Kunden werden die Veränderungen am Markt Stück für Stück spüren und auf Sie zukommen.

Können wir gegen Ende des Jahres noch Module und Wechselrichter liefern?
Wir befinden uns mitten in einem besonderen Jahr, so viel ist sicher.

 

Aryan Uthman

Team Lead Sales Benelux